DIE GO-SPIELERIN

Von Johannes Kaetzler und Gerhard Seidel
nach dem gleichnamigen Roman von Shan Sa

Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2004

Uraufführung/Premiere am 3. September 2004

Foto: Meyer Originals

Der Go-Verband NRW e.V. schrieb begeistert über die Inszenierung:

"Gelungene Kölner Uraufführung von 'Die Go-Spielerin'
Am 03. September 2004 wurde 'Die Go-Spielerin' nach dem Roman von Shan Sa im Freien Werkstatt Theater in Köln erstmals auf die Bühne gebracht. Besonders sehenswert war Linda-Moran Braun als 'die Go-Spielerin'. Auch das minimalistische Bühnenbild, das durch die Anordnung einiger einfacher Hocker die Bühne vom Platz der Tausend Winde in den Balkon des Bürgermeisters oder ein japanisches Militärcamp verwandelte, wirkte sehr ansprechend. Das Go-Spiel selbst kommt in der Aufführung auch nicht zu kurz. Die Go-Partie ist entsprechend der Beschreibungen im Buch nachgestellt, und die Darsteller bemühen sich, die Steine wie 'echte' Go-Spieler zu setzen. Also, Go-Spieler, plant gleich einen Besuch im FWT ein! Und der Kölner Go-Spielabend, Bipi's Bistro, ist gleich um die Ecke!"

Foto: Meyer Originals

Mit Ingrid Berzau, Linda-Moran Braun, Heike Huhmann, Hatice Karagöz, Torben Krämer, Mirco Monshausen, Dieter Scholz, Steffen Will

Inszenierung und Bühnenbild Johannes Kaetzler
Dramaturgie Gerhard Seidel
Choreographie Johannes Mergner
Kostüme Anja Funke
Maske Miong Seyb
Regieassistenz Marie Kaiser
Vorstellungstechnik Werner Dittrich
Go-Beratung Pierre-Alain Chamot

Presse

"Taktische Züge auf dem Spielbrett des Lebens (...) 'Die Go-Spielerin' überzeugt durch Dichte, Engagement, Tiefgang und schauspielerische Leistung. (...) Für die Dramatisierung des Stoffes zeichnen Johannes Kaetzler und Gerhard Seidel verantwortlich. Ihnen gelingt eine dichte, engagierte und sehr spannende Inszenierung. Sie übernimmt die Struktur des Go-Spiels, kreist Zug um Zug ihr Thema ein. (...) Eine Aufführung mit Tiefgang und sauberen schauspielerischen Leistungen (exzellent: Linda-Moran Braun, sehr gut: Torben Krämer als hölzerner Leutnant, zum Schreien: Dieter Scholz als lüsterner Engelmacher und Ingrid Berzau als pseudo-sowjetische Sprechstundenhilfe). (...) Ein gelungener Spieleabend." taz

"Liebe in Zeiten des Krieges
Linda-Moran Braun als Go-Spielerin hat eine große Natürlichkeit, erfrischend charmant läßt sie die Fremdheit dieser Frauenfigur deutlich werden, die sich auflehnt gegen gesellschaftliche Regeln. (...) Kaetzler hat für die Darstellung von Gewalt und Tod eine zeitlupenartige Bewegungssprache gefunden, dazu verhallen Pistolen-Schüsse auf der Tonspur: Eine elegante Lösung, denn in dieser poetischen Verfremdung wird die Gewaltsamkeit des Krieges erfahrbar, ohne daß ein blutiger Realismus billige Schockeffekte erzielt. Wenn sich die einzelnen Erzählfäden etabliert haben, gelingen Bilder und Szenen über das Wesen der Liebe von großer Dichte. Dann zieht einen die Geschichte in ihren Bann – bis zu ihrem ergreifend traurigen Ende." Kölnische Rundschau

"Zug um Zug gelungenes Schauspiel
Mit der Inszenierung der 'Go-Spielerin' hat das Freie Werkstatt Theater einen Coup gelandet. Vermutlich waren hinter den Kulissen einige Schachzüge - oder eben Go-Züge - nötig, um sich die Aufführungsrechte dieser ersten Dramatisierung von Shan Sas Erfolgsroman zu sichern. Den Ausschlag dürfte gegeben haben, dass Johannes Kaetzler und Gerhard Seidel vom FWT mit ihrer Bühnenfassung die Tat vollbringen, Shan Sas exotisch schillerndes Sprachkunstwerk einzufangen in der Fülle seiner Vielschichtigkeit, seinem Wechselspiel von Brutalität und Poesie, Politischem und Intimem, Strategie und Intuition - und zugleich mit raffinierter Szenenfolge einen Text vorzulegen, der genuines Theater ermöglicht und sich auf der Bühne zum Schauspiel entfaltet. (...) Kostüme, Maske sowie die inspirierte Choreografie und Lichtregie tragen zur Wirkung dieser 'Go-Spielerin' bei; alles wirkt wie aus einem Guss, und das beachtlich große Ensemble von acht Darstellern enthält keine einzige Fehlbesetzung.
Aus dem starken Feld hervorgehoben sei Linda-Moran Braun, die ihrer Figur, der Go-Spielerin, eine federleichte, jugendliche Aggressivität verleiht und bei aller Tragik das Abgleiten ins Pathetische stets zu verhindern weiß - sowie Ingrid Berzau und Dieter Scholz, die in Nebenszenen, etwa als Gespann von aalglattem Kurpfuscher und übellauniger Sprechstundenhilfe, funkelnde Komik abliefern. Wer den Roman noch nicht gelesen hat, wird es nach dieser Dramatisierung nachholen wollen. Wer ihn bereits kennt, kann hier eine Bühnenfassung erleben, die an Eindringlichkeit und Vielschichtigkeit der Vorlage nicht nachsteht. Es bleibt dabei: ein großer Wurf. Das Premierenpublikum dankte mit anhaltendem Applaus." Kölner Stadt-Anzeiger