HEISSHUNGER

Eine Ensembleproduktion des Freien Werkstatt Theaters

Uraufführung/Premiere am 5. November 1987

Doktorspiele

Fotos: Michael Fehlauer

An der Schwelle zum Erwachsensein stürzt sich Maria in das Wagnis der absoluten Verweigerung. Problemen mit der fürsorglichen Mutter, der lebenshungrigen Schwester, dem unerfahrenen Freund begegnet sie mit Erkrankung, die man "Magersucht" nennt.

Aus dem Programmheft:
Warum ein Stück über "Magersucht"?
Wenn der Ausspruch stimmt, dass "am Anfang jeder Sucht eine Sehnsucht" steht, dann spielen auf dem Weg zur Sucht unerfüllte Wünsche, Enttäuschungen, Erniedrigungen, Fremdbestimmungen sicherlich eine herausragende Rolle. Frauen, so scheint es, haben besondere 'Umgangsformen' damit entwickelt: die eigenen Bedürfnisse werden schnell denen anderer untergeordnet, ungelebte Impulse nach innen gerichtet - ein selbstzerstörerischer Mechanismus. Insbesondere junge Mädchen geraten in den lebensgefährlichen Kreislauf der Essensverweigerung; das herrschende Schönheitsideal trägt wesentliches dazu bei. Die Zahl der Betroffenen steigt unübersehbar an; beinahe in jeder Schulklasse leidet wenigstens eine Schülerin an aneroxia nervosa.
Was sind die Ursachen, Bedingungen, Folgen dieser Sucht? Wie kommt man dazu, seine Sehnsüchte zu leben, anstatt sich selbst zu zerstören?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt unserer Arbeit an dem Stück, das Yvonne Racine mit dem Schauspielteam über den Weg der Improvisation erarbeitet hat. Mit "Heißhunger" möchten wir aber keineswegs fertige Antworten liefern, sondern vielmehr dazu anregen und beitragen, diese selbst und im Gespräch mit anderen zu suchen.

Mit Regine Funda, Udo Jolly, Kerstin Kallewegge, Yvonne Racine, Gundula Schroeder| Inszenierung Yvonne Racine | Bühnenbild Heinrich Cuipers | Regieassistenz Birgit Günster | Technik Christian Mertens | Mitarbeit Ingrid Berzau, Josef Broich, Manfred Lampe, Dieter Scholz, Walburg Schwenke, Peter Westenberg

Ich will das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht ist's schon zu spät zurück.
Oh, ich sterbe unter euch!
Da ihr mich erstickt mit euch.
Fäden möcht ich um mich ziehen
Wirrwarr endend! Beirrend.
Euch verwirrend,
Zu entfliehen
Meinwärts.

Else Lasker-Schüler

TV-Beitrag zum Stück
Die Medizin-Redaktion des TV-Senders West 3 brachte im August 1988 einen 120minütigen Fernsehbeitrag zum Stück unter dem Titel "Magersucht - Endloser Hunger". Der Aufzeichnung des Stücks folgte eine Diskussion mit Betroffenen und Fachleuten, moderiert von Dr. med. Marianne Koch, mit Hinweisen auf Behandlungsangebote und therapiebegleitende Selbsthilfegruppen.

Presse

"Theaterstück plus Gespräch, eine wirklich gelungene Kombination, um dem Zuschauer das Phänomen 'Magersucht' verständlich zu machen." Kölnische Rundschau

"Vier überzeugend agierende Darsteller des Freien Werkstatt Theaters Köln zeigen in genau herausgearbeiteten Szenen die fast typische Entwicklung einer Krankheit, über deren Ursache auch Ärzte noch rätseln." Kölner Stadt-Anzeiger

"Intensiver als es an diesem Abend geschehen ist, kann das Fernsehen seiner Informationspflicht wohl kaum nachkommen." WAZ